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NETZWERKEN FÜR DEN ERFOLGPortrait von Ilona Orthwein - Unternehmensberaterin und Initiatorin des Unternehmerinnenabend-Projekts
Rückblickend glaube ich, dass meine Familie, meine Eltern, Großeltern, die ausnahmslos alle selbständig waren, meinen beruflichen Werdegang wesentlich geprägt haben. Selbständigkeit, freies berufliches Schaffen war insgeheim lange ein persönliches Ziel von Ilona Orthwein, Unternehmensberaterin in Berlin und Initiatorin des Unternehmerinnenabend-Projekts. Allerdings brauchte es seine Zeit, bis der Schritt in die Selbständigkeit schließlich vollzogen wurde: Lehr- und Studienjahre (kaufm. Ausbildung, Studium der Sozialwissenschaften und Betriebswirtschaft) und über zwölf Jahre Angestelltentätigkeit im Bankenbereich gingen der Gründung ihrer eigenen Firma voraus. Dabei hätte alles auch ganz anders sein können: bereits mit Anfang zwanzig hatte Frau Orthwein Gelegenheit gehabt, den elterlichen Betrieb, einen Drogeriemarkt im Rhein-Main-Gebiet zu übernehmen. Der plötzliche frühe Tod meiner Mutter brachte mich dazu, dem lang gehegten Wunsch meines Vaters nachzugeben und in die Firma einzusteigen, um sie dann wenige Jahre später ganz zu übernehmen. Allerdings erkannte ich bereits nach kurzer Zeit, dass dies nicht wirklich mein Weg war.
Schon als kleines Mädchen träumte Ilona Orthwein von fernen Ländern und fremden Kulturen, die sie aus Büchern und Filmen kannte. Die Sehnsucht nach Ferne erfüllte sich die junge Frau schließlich in zweierlei Hinsicht: 1985 kam ich zum Studium nach (West-)Berlin.
Verliebt in Bärlin!
Da mich insbesondere der Orient schon immer interessierte und ich unbedingt Arabisch lernen wollte, begann ich Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt Islam und islamische Welt zu studieren. Die Beschäftigung mit dem Arabischen Kultur führte die junge Frau dann noch weiter weg – in die Länder des mittleren Ostens, wo sie ca. anderthalb Jahre verbrachte, für eine Studienarbeit forschte und sich in sozialen Hilfsprojekten engagierte.
Besuch bei Bauern im Jordantal im Rahmen eines Hilfsprojekts
Ein aggressiver Islamismus, wie er uns heute begegnet, war damals noch eher eine Randerscheinung. Ich jedenfalls traf bei den Menschen auf sehr viel Herzlichkeit, Weltoffenheit und auch ehrliches Interesse unserer westlichen Kultur. Mir begegneten viele Menschen, die demokratische Veränderungsprozesse anstrebten – und vor allem sehr engagierte Frauen, und ich selbst arbeitet in Projekten mit, in denen es schwerpunktmäßig um die Aus- und Weiterbildung von Frauen und Mädchen ging. Die Erfahrungen jener Zeit beeinflussten Ilona Orthweins weiteren Werdegang entscheidend. Mir wurde klar, dass ich nach dem Studium unbedingt bei einer Institution arbeiten wollte, die Auslandsbeziehungen pflegte. Das war jedoch gar nicht so leicht. Als graduierte Sozialwissenschaftlerin erhielt ich immer wieder kleine Aufträge zu Vorträgen und Publikationen, hatte aber kein regelmäßiges Einkommen. Ich verfolgte darum mein zweites Interessensgebiet: die Ökonomie. Denn neben den sozialen waren es auch immer die wirtschaftlichen Zusammenhänge, die mich interessierten. Die große Chance kam 1991, als ihr die Gelegenheit zu einem Traineeprogramm in der Auslandsabteilung einer großen Bank geboten wurde. Zwölf Jahre lang blieb Ilona Orthwein dann der Bankenlandschaft treu, absolvierte zahlreiche Fortbildungen, war bei der WestLB in Düsseldorf im Rahmen eines internen Austauschprogramms in der Exportfinanzierung tätig und arbeitete schließlich über ein Jahrzehnt in der Berliner Zentrale von Bankhaus Löbbecke & Co., das damals zur Banca Intesa Holding gehörte. Eingestellt wurde ich in der allgemeinen Boom- und Expansionspase nach der "Wende". Man war im Begriff, eine Auslandsabteilung neu aufzubauen und suchte entsprechend qualifiziertes Personal. Mein Aufgabengebiet erstreckte sich von der Kundenberatung über Controlling- und Organisationsaufgaben bis hin zur Mitarbeit an der Entwicklung einer spezifischen Firmensoftware - eine spannende Aufgabe und eine gute Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe! Im Frühjahr 2003 verließ sie schließlich, ihrem Wunsch nach beruflicher Veränderung und
mehr Selbständigkeit folgend, die Bank und gründete ihr eigenes Unternehmen, die
Ilona Orthwein Unternehmens- und Organisationsberatung
. Kein leichter Schritt für die alleinerziehende Mutter. Doch der Start in die Selbständigkeit
verlief dank guter Vorbereitung äußerst positiv.
Auch Non-Profit-Organisationen gehören zum Klientel der Beratungsfirma. Durch meine langjährige Mitwirkung in verschiedenen sozialen Projekten sind mir die Probleme in diesem Sektor sehr vertraut. Und es macht mir auch persönlich besonders viel Freude, hier mit fachlichen Kenntnisse unterstützen zu können. Eines der von ihr betreuten Berliner Projekte (Patenschaften für KInder psychisch kranker Eltern) schaffte es unter dem Aspekt Nachhaltigkeit 2006 sogar in die Bundesauswahl im Wettbewerb Startsocial.
Aus der Erfahrung Ilona Orthweins im Bereich Außenwirtschaft ergibt sich ein weiteres
Beratungsangebot, das sowohl von ausländischen Investoren als auch von inländischen Unternehmen,
die ihre Geschäftstätigkeit im Ausland erweitern wollen, genutzt wird. Als Beraterin bei KFW und
IBB akkreditiert, kann Frau Orthwein ihren Kunden auf diesem Wege noch zusätzliche Unterstützung
und auf Förderungsmöglichkeiten verweisen.
Seit ihrer Studienzeit setzt sich Ilona Orthwein für die Belange von Frauen ein und bart hier Netzwerke auf. Frauen sind nach wie vor in der Berufswelt benachteiligt und im Unternehmertum unterrepräsentiert. Besonders erschreckend finde ich dabei, dass die Selbständigenquote von Frauen in Deutschland, obschon sie in den letzten Jahren zugenommen hat, europaweit zu den niedrigsten zählt. Die Ursachen dafür sind zweifellos sehr komplex, aber ich frage mich, wie lange es sich dieses Land noch leisten will und kann, das unternehmerische Potenzial von Frauen nicht entsprechend zu nutzen...! Gemeinsam mit anderen selbständigen Frauen entwickelte Ilona Orthwein ihr eigenes
Netzwerkangebot. Mit dem "Unternehmerinnenabend in Berlin" startete sie im Februar 2004 ein offenes
Forum, das Gründerinnen mit erfahrenen Unternehmerinnen zusammenbringt und Branchen übergreifend
vernetzt.
Treffen mit indischen Unternehmerinnen 2005
Das Internet ist meines Erachtens das Medium der Gegenwart und Zukunft. Wir waren darum 2005 das erste regionale Frauennetzwerk, dass seine Mitglieder im Internet öffentlich vorstellte. Als wir bemerkten, welche Reichweite das Internetportal hat, begannen wir es gezielt zu nutzen, um Öffentlichkeitsarbeit für die Unternehmerinnen zu machen. Genau das ist nämlich auch etwas, was für den unternehmerischen Erfolg wichtig ist: nur wer mit seinen Leistungen und Produkten gut wahrgenommen wird, kann auch entsprechende Ergebnisse verbuchen! Unternehmerinnenabend ist inzwischen zu einer überregionalen Plattform gewachsen mit bundesweiter Ausrichtung gewachsen.
Die aktiven Mitglieder engagieren sich, wie Frau Orthwein selbst, immer wieder im Rahmen des
alljährlichen Girls’ Days, des Mädchenzukunftstages.
Girls' Day: Mädchen lernen die Arbeit der Beraterin und einen ihrer Klienten aus einer modernen Hightechbranche kennen
Sollten vielleicht einfach mehr Frauen eine berufliche Selbständigkeit anstreben?
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